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Wird jetzt auch die Kuhweide digital?

Tierschutz hat Bedenken wegen GPS-Halsbändern

blick.ch vom 9. Februar 2024

Kühe mit GPS-Halsbändern statt dem Fitzi-Hag. So könnten schon bald die Schweizer Weiden aussehen. Doch der Tierschutz hat Bedenken.

Zzzzzzzzz. Es fitzt, ein Ministromschlag durchzuckt die Erstklässerin. Es ist die ultimative Mutprobe. Wer traut sich, den geladenen Zaun an der Kuhweide zu berühren? Diese Mutprobe könnte schon bald Geschichte sein. Denn auch der Hag wird digital.

Dafür bekommen Kühe ein GPS-Halsband, und auf einer App wird die Weidegrenze eingezeichnet. Nähert die Kuh sich der Grenze, gibt es zuerst eine Warnung mit einem ansteigenden Ton. Geht das Tier trotzdem weiter, folgt ein leichter elektrischer Schlag. Das wird maximal dreimal wiederholt. Ignoriert die Kuh die Signale dann immer noch, wird der Bauer über das Handy gewarnt und kann den Ausreisser orten.

Tierschutz skeptisch
Schon jetzt können virtuelle Zaunsysteme für Rinder, Schafe und Ziegen gekauft werden. Doch bislang dürfen sie wegen Tierschutzbedenken nicht eingesetzt werden. Die Landwirtschaftsforscher des Bundes (Agroscope) haben jetzt herausgefunden: alles halb so schlimm. Eine «negative längerfristige Beeinträchtigung des Tierwohls» konnte nicht festgestellt werden. Die Stromschläge seien deutlich schwächer als beim herkömmlichen Elektrozaun, schreibt Agroscope. Auch der Stress für die Tiere sei vergleichbar mit dem herkömmlichen Modell.

Beim Schweizer Tierschutz gibt man sich skeptisch. Die Methode scheine noch nicht ausgereift. «Die Tiere zeigen wiederholt Anzeichen von Unbehagen gegenüber den Signalen», sagen Samuel Furrer und Alice Raselli vom Schweizer Tierschutz. Ein optisches Band sei für die Tiere besser erkenn- und vermeidbar, und sichtbare Zäune würden auch gegen das Eindringen von Menschen oder Hunden schützen.

Agroscope schreibt hingegen, dass wie bei klassischen Zäunen mit Informationstafeln auf die digitale Weide hingewiesen werden könnte.

Vorteile auf der Alp
Für die Bauern bringen virtuelle Zäune dort Vorteile, wo Zäune im Gelände schwierig zu platzieren sind, zum Beispiel auf der Alp, wie Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Bauernverbands, schreibt. Dazu könnten sie nützlich sein, wenn die Weidegrenzen öfters verschoben werden.

Ob die digitalen Zäune tatsächlich bald eingesetzt werden können, entscheidet das Bundesamt für Veterinärwesen (BLV). Noch vor zwei Jahren stellte es sich auf die Seite der Tierschützer, wie der «Schweizer Bauer» schreibt. Jetzt hält sich das Amt noch bedeckt. Der Bericht sei Teil einer umfangreicheren Studie, eine abschliessende Beurteilung deshalb noch nicht möglich. Bis diese vorliegt, dürfen sich Erstklässer weiter an der Mutprobe erfreuen – ob sie das tun sollten, ist eine andere Frage.

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