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Zwischen Realismus und Vision: Wie Fortschritt für Tiere politisch gelingt

Am vergangenen Wochenende fand in Zürich der Tierrechtskongress statt. Philipp Ryf, Leiter Politik beim Schweizer Tierschutz STS, sprach dort über die Frage, wie politische Verbesserungen für Tiere erreicht werden können. Seine Bilanz aus drei Stationen seiner politischen Arbeit zeigt: Fortschritt hat viele Formen.


Manchmal verbessert eine konkrete Änderung in einer Verordnung den Alltag vieler Tiere. Ein schwerer Tierschutzfall kann Schwächen im Vollzug sichtbar machen und Veränderungen anstossen. Und selbst eine verlorene Abstimmung kann eine gesellschaftliche Debatte weiterbringen.

Die Wege zur Veränderung

Ein Beispiel ist der Umgang mit Mäusen und Ratten in Versuchstierhaltungen. Seit Februar 2025 dürfen sie nicht mehr an der Schwanzwurzel hochgehoben werden. Die Änderung wirkt klein, macht für viele Tiere im Alltag aber einen Unterschied. Möglich wurde sie, weil eine fachlich ausgearbeitete Lösung bereitlag und mit der Revision der Tierschutzverordnung die Gelegenheit bestand, sie einzubringen. Einen anderen Weg zeigt der Tierschutzfall Ramiswil SO. Er machte Probleme beim Vollzug öffentlich sichtbar und war für den STS ein direkter Auslöser, seine bestehenden Angebote zu einer nationalen Meldestelle auszubauen. Hinweise auf Missstände sollen dort eingeordnet und dokumentiert werden. Zudem kann der STS bei den zuständigen Veterinärämtern nachhaken und Probleme über Kantonsgrenzen hinweg sichtbar machen.

Was Niederlagen auslösen können

Eine weitere Erfahrung brachte Ryf aus der Initiative gegen Massentierhaltung mit, deren Kampagne er selbst mitgeleitet hatte. Die Initiative wurde 2022 mit 37,1 Prozent Ja-Stimmen deutlich abgelehnt. Für die Tiere änderte sich dadurch zunächst nichts. Die Nachbefragung zeigte jedoch: Eine Mehrheit teilte die Einschätzung, dass Massentierhaltung der Schweizer Landwirtschaft unwürdig sei. Die vorgeschlagene Lösung fand dagegen keine Mehrheit.

Politische Niederlagen sollten deshalb weder schöngeredet noch ihre längerfristigen Wirkungen vorschnell abgeschrieben werden, so Ryf. Entscheidend sei, möglichst genau zu belegen, was eine Kampagne tatsächlich bewirkt hat.

Heute verbessern, morgen mehr erreichen

Für Ryf zeigen die Beispiele: Politische Arbeit für Tiere muss auf mehreren Ebenen ansetzen. Es braucht konkrete Verbesserungen, die heute erreichbar sind. Gleichzeitig bleiben weitergehende Forderungen wichtig, um gesellschaftliche Debatten anzustossen und langfristig grössere Veränderungen möglich zu machen.

Zum Abschluss richtete Ryf den Blick auf die Initiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk», über die am 29. November abgestimmt wird. Sie diente als aktuelles Beispiel, an dem das Publikum die zuvor besprochenen Wege zu politischer Veränderung selbst anwenden konnte.


Zu Philipp Ryf
Vor seiner Tätigkeit beim STS war er Geschäftsführer von Sentience und Co-Kampagnenleiter der Initiative gegen Massentierhaltung. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich damit, wie Lobbying und Kampagnenarbeit wirksam im Interesse der Tiere eingesetzt werden können.

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