Tausende Ferkel bezahlen den Preis für Überproduktion
Derzeit werden Schweizer Ferkel im grossen Stil zur Schlachtung aus der Schweiz nach Deutschland transportiert. Diese Transporte sind das Symptom eines grösseren zugrundeliegenden Problems: einer systematischen Überproduktion. Der Schweizer Tierschutz STS fordert, dass Probleme nachhaltig und im Kern angegangen werden. Am Ende zahlen sonst die Tiere den Preis.
Derzeit kommen in der Schweiz jede Woche rund 5000 Schweine mehr auf den Markt, als von den Konsumentinnen und Konsumenten nachgefragt werden. Es gibt faktisch eine Überproduktion in der Schweinebranche. Seit Anfang Juni werden laut einem SRF-Medienbericht deshalb wöchentlich rund 900 Ferkel nach Süddeutschland transportiert und dort geschlachtet. Bis Ende November könnten insgesamt über 22’000 Tiere betroffen sein.
Für den Schweizer Tierschutz STS ist klar: Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem. Der Schweinemarkt wurde über Jahre auf Mengenausweitung getrimmt. Pro Wurf gibt es immer mehr Ferkel und die Schweine nehmen immer schneller zu und werden schwerer. Es wird mehr produziert, als der Markt aufnehmen kann. Die Tiere bezahlen den Preis dafür. Junge Ferkel werden exportiert und frühzeitig geschlachtet, weil zu viel produziert wurde. Das ist aus Tierschutzsicht höchst problematisch.
Das Problem ist nicht neu
Die aktuelle Situation kommt nicht aus dem Nichts. Bereits 2022 gab es in der Schweiz zu viele Schweine. Damals konnten Tiere nicht rechtzeitig abgeholt und geschlachtet werden. Es kam zu Rückstaus in den Ställen, zu Platzproblemen und zu tierschutzrechtlichen Schwierigkeiten. Der STS anerkennt: Überfüllte Ställe müssen verhindert werden. Kurzfristige Massnahmen können deshalb nötig sein. Aber solche Situationen dürfen gar nicht erst entstehen. Überproduktion ist kein plötzliches Naturereignis. Sie ist ein seit langem schon bekanntes Risiko in der Schweinebranche.
Lange Transporte bleiben kritisch
Tiertransporte bedeuten für Tiere Stress und Belastung. Das gilt besonders für junge Tiere. Transport, Umstallung, Trennung von der gewohnten Umgebung, Hitze und lange Fahrzeiten können das Tierwohl stark belasten. Für den STS gilt deshalb:

«Tiertransporte so kurz wie möglich und so selten wie nötig.»
Wenn Ferkel stundenlang zur Schlachtung ins Ausland transportiert werden, ist dieser Grundsatz klar infrage gestellt. Auch wenn solche Transporte gesetzlich bewilligt sind, bleiben sie aus Tierschutzsicht kritisch. Die Schweiz wirbt mit hohen Tierwohlstandards. Diese Standards müssen auch dann gelten, wenn eine Branche unter Druck steht. Wenn Schweizer Ferkel wegen Überproduktion im Ausland geschlachtet werden, passt das nicht zum hohen Schweizer Tierwohlanspruch. Das Problem wird nicht gelöst, sondern verschoben.
Was jetzt nötig ist
Tiertransporte müssen auf das absolute Minimum reduziert werden. Schlachtmöglichkeiten in der Schweiz sollen prioritär geprüft und besser koordiniert werden. Mittelfristig braucht es eine bessere Produktionsplanung, verbindliche Frühwarnsysteme und mehr Koordination innerhalb der Branche. Langfristig muss die Produktion stärker an die tatsächliche Nachfrage angepasst werden. Tiere dürfen nicht den Preis für ein System bezahlen, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.
